Offener Brief der antikapitalistischen Plattform in FFF an den Rest der Bewegung

Feb 10, 2020 FFF

Liebe Umweltaktivistinnen, unsere Bewegung besteht nun schon seit über einem Jahr, darauf können wir stolz sein! Wir waren viele, wir waren laut, doch an welchem Punkt stehen wir jetzt? Wir alle bemerken, dass es grundsätzlicher Veränderungen bedarf, um die drohende globale Klima- und Umweltkatastrophe zu verhindern. Dafür müssen wir nicht nur die aktuellen Entwicklungen verstehen, sondern vor allem die Ursachen erforschen, die uns in diese Situation gebracht haben.
In der FFF-Bewegung gibt es viele Menschen, die Kritik am Kapitalismus äußern. Wie sollte es auch anders sein, immerhin waren es ja über 100 Jahre einer auf Profit ausgerichteten kapitalistischen Wirtschaft und Gesellschaft, die uns alle nah an den ökologischen Abgrund geführt haben. Wir alle bei FFF kämpfen um die Umwelt um damit unsere Zukunft zu retten! FFF versteht sich als überparteiliche, basisdemokratische Bewegung, in der alle ihr Recht auf freie Meinungsäußerung haben, die sich für das Klima bzw. die Umwelt (man kann es nicht nur auf das Klima reduzieren) einsetzen und nicht faschistisch sind. Entgegen diesem demokratischen Selbstverständnis werden aber an vielen Orten antikapitalistische Positionen und Menschen, die sie vertreten, undemokratisch ausgeschlossen, unterdrückt, an den Rand gedrängt, Fahnen verboten, von Plena oder Orgatreffen geschmissen oder es wird gar mit der Polizei bei Demos gegen sie vorgegangen . An einer solchen Spaltung der FFF Bewegung kann nur interessiert sein, wem mehr am Erhalt des Kapitalismus als an der Umwelt liegt! Wir haben uns als antikapitalistische Plattform in FFF zusammengeschlossen und sind nicht mehr bereit eine solche Diskriminierung hinzunehmen. Wir solidarisieren uns mit allen, die solchen Angriffen ausgesetzt sind und sind jederzeit ansprechbar für euch.
Wir sind der Meinung, dass die Diskussion um die gesellschafftlichen Perspektiven des Umweltkampfes lebensnotwendig für unsere Bewegung ist. An allen Ecken und Enden stößt die Rettung der Umwelt an die Grenzen der kapitalistischen „Sachzwänge“. Welche Antwort wollen wir darauf geben, wenn wir darüber keine breite und demokratische Diskussion innerhalb von FFF zulassen? FFF darf nicht bei Appellen an die Politiker
innen der Parteien im Bundestag stehen bleiben, da sie letztendlich die Interessen der Monopole vertreten und deshalb niemals das unendliche Wachstum des Kapitalismus in Frage stellen werden. Dabei muss gerade uns als Klimabewegung klar sein, dass die Wirtschaft nicht ewig wachsen kann ohne unsere Lebensgrundlagen auf dem Planeten zu zerstören. Wir müssen lernen, unsere Zukunft in die eigene Hand zu nehmen! Um das zu erreichen ist es als Klimabewegung unumgänglich den Kapitalismus für die Zerstörung unserer Lebensgrundlage verantwortlich zu machen und über bessere Alternativen zu diskutieren.
Solange wir die bisherigen Machtverhältnisse nicht in Frage stellen, wird auch die Umwelt nicht zu retten sein. Bestes Beispiel ist die Rodung des Hambacher Waldes durch RWE. Sol che Konzerne und Banken bestimmen heute über Wirtschaft, Politik, Bildung – die ganze Gesellschaft. Sie nehmen sich das Recht heraus, die Natur und somit unsere Lebensgrundlagen auf diesem Planeten zu zerstören. Das dürfen wir nicht weiter zu lassen! Wir kämpfen für eine Welt, in der nicht Maximalprofite, grenzenloses Wachstum und Macht, sondern die Bedürfnisse von Mensch und Natur im Mittelpunkt stehen. Wir rufen alle OGs von FFF auf, diesen offenen Brief zu diskutieren und sich dazu zu positionieren. Um die Umwelt zu retten müssen wir unseren Kampf höherentwickeln, wie das am 20.09 geschehen ist, als Arbeiter*innen- und Umweltbewegung gemeinsam auf die Straße gegangen sind. Die Bewegung muss in die Breite wachsen. Als positives Beispiel kann hier der Schulterschluss von Klimastreik Schweiz mit den Gewerkschaften dienen, die am 15. Mai gemeinsam streiken wollen. Auch wir sollten die Kooperation mit sozialen Bewegungen suchen und uns mit der Forderung eines Generalstreiks auseinandersetzen. Nur so kann es uns gelingen auch Menschen außerhalb unserer privilegierten weißen Mittelstandblase anzusprechen. Zugleich müssen wir uns immer bewusster über die tieferen Ursachen der Umweltkrise werden. Eine solche Diskussion zu unterdrücken wäre über kurz oder lang der Tod unserer Bewegung. Deshalb müssen wir alle gemeinsam die Überparteilichkeit und demokratische Zusammenarbeit verschiedenster Kräfte in FFF auf Augenhöhe verteidigen! Lasst uns weiterhin für eine lebenswerte Zukunft kämpfen!
System Change – not Climate Change!


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